Kreidezähne – erkennen, behandeln, pflegen

3 Jan, 2023 | Experten, News

Kinderzähne sollten weiß und kräftig sein! Doch in Kinderzahnarztpraxen wird ein beunruhigendes Phänomen beobachtet. Immer mehr Kinder leiden an sogenannten Kreidezähnen, einer Erkrankung des Zahnschmelzes: er bildet sich nicht mehr vollständig aus, ist weich und die Zähne werden brüchig. Wir haben dazu mit unserer Expertin Frau Dr. Kirchner von der Zahninsel gesprochen.

In der Fachsprache sprechen wir von MIH „Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation“, ein Begriff, der die wesentlichen Aspekte der Kreidezähne zusammenfasst: MIH tritt vor allem an den Backenzähnen (Molaren) und Schneidezähnen (Inzisiven) auf. Diese unterscheiden sich von gesunden Zähnen dadurch, dass die normale mineralische Zusammensetzung des Zahnschmelzes aus Phosphat und Kalzium gestört ist. Inzwischen haben Expert*innen eine Unterform der MIH festgestellt, die Milchmolaren-Hypomineralisation, kurz MMH. Hier sind die letzten Milchbackenzähne unzureichend mineralisiert.

Wie erkennt man Kreidezähne?
Die Symptome für Kreidezähne machen sich erst nach dem Durchbruch der Zähne- oft zunächst mit kreidigen Flecken auf der Zahnoberfläche –bemerkbar. Auf einem Röntgenbild ist die Störung der Zahnschmelzbildung nicht zu erkennen. Das macht die Erkrankung tückisch, denn sie lässt präventive Maßnahmen nicht zu. Folgende Anzeichen deuten auf hypomineralisierte Zähne und damit auf schnellen Handlungsbedarf hin:

  • gelblich-bräunliche scharf abgegrenzte Flecken auf den Zähnen
  • Furchen auf der Zahnoberfläche
  • fehlende Zahnhöcker
  • abgeplatzter Zahnschmelz
  • Schmerzempfindlichkeit beim Zähneputzen

Kreidezähne brauchen besondere Pflege
Werden Kreidezähne früh erkannt, kann ein weiterer Verfall meist gestoppt werden. In unserer Praxis ergreifen wir verschiedene Maßnahmen, um die betroffenen Kinderzähne möglichst lange zu erhalten: Im Rahmen unser Intensivprophylaxe versorgen wir die Zähne zum Beispiel frühzeitig und reichhaltig mit Fluorid. In einem weiteren Schritt werden Fissuren versiegelt oder mit einer speziellen Füllung versorgt, damit sie weniger empfindlich sind. Bei schweren Verläufen ziehen wir auch Verkronungen der Kreidezähne in Betracht.

Zur Pflege von Kreidezähnen empfehlen wir mehrmals jährlich professionelle Zahnreinigung, deren Häufigkeit wir individuell an unsere Patient*innen anpassen und vorher mit den Eltern besprechen. Wir beraten außerdem ausführlich zur richtigen häuslichen Zahnpflege und zu einer zahngesunden Ernährung.

Die Ursache für Kreidezähne ist noch nicht vollständig geklärt
Über die Ursache von Kreidezähnen ist bisher noch sehr wenig bekannt. Von der Ernährung bis hin zu den Auswirkungen von Weichmachern und Kunststoffen in der Umwelt werden verschiedenste Auslöser diskutiert. Sicher ist: Kreidezähne entstehen in der Mineralisierungsphase der Zähne zwischen der Geburt und dem dritten Lebensjahr. Das bedeutet, dass die Anlagen dazu schon vorhanden sind, bevor die bleibenden Zähne überhaupt zu sehen sind.

Bei guter Pflege haben Kreidezähne die Chance, im Laufe der Entwicklung auszureifen. Wir wollen Ihr Kind auf dem Weg hin zu einem gesunden, widerstandsfähigen Gebiss begleiten.

Ihre Heike Kirchner

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