„Flüssigzucker ist eine unterschätzte Gefahrenquelle.“ – Interview mit Dr. Anne Gürtler und raaaw

30 März, 2026 | Experten, Lifestyle, News

Zucker gehört für viele ganz selbstverständlich zum Alltag. Welche Auswirkungen hat das aus ernährungswissenschaftlicher und -medizinischer Sicht?
Es gibt keinen einzigen ernährungswissenschaftlichen medizinischen Vorteil für sogenannte freie Zucker. Alles Zugesetzte, dazu gehören auch Honig und Sirup jeder Art, hat keine gesundheitlichen Benefits. Über Fruchtzucker, in der vollen Obstform, kann man sich streiten. Der Zucker bewirkt im Körper dasselbe, aber man hat zusätzlich die weiteren Vorteile von Vitaminen und Ballaststoffen, die im Obst enthalten sind.

Zucker führt zu einem, über den ganzen Tag gesehenen, Energie-Überschuss. Es ist sehr leicht, sehr schnell sehr große Zuckermengen zu sich zu nehmen. Wir wissen, dass Typ-2-Diabetes heute in Form des sogenannten metabolischen Syndroms, in dem auch Übergewicht und Bluthochdruck mit reinzählen, aufgrund der Ernährung eine Volkskrankheit ist. Das heißt, der Körper ist über einige Monate und Jahre überlastet, um mit diesen hohen Zuckermengen umzugehen. Das schafft das Pankreas,  die Bauchspeicheldrüse, nicht, was bedeutet: Die Enzyme werden nicht mehr ausreichend gebildet, damit der Zucker verstoffwechselt werden kann, und somit entsteht die Insulinresistenz. Außerdem kann das auf eigentlich alle weiteren Körperorgane im Körper einen negativen Schaden auswirken. Viele Zuckerspitzen und Kalorienüberschuss führen zu Übergewicht und zu einer Fettleber. Auch der freie Zucker führt, wenn man ihn isst, allein schon im Mund und für die Zähne zu Problemen, insbesondere Karies. Das ist auch besonders in Bezug auf Kinder wichtig.

Insgesamt lässt sich klar sagen, dass Zucker keinen gesundheitlichen Vorteil bringt. Er hat einen großen Einfluss auf alle Stoffwechselvorgänge. Darum positionieren sich Leitlinien auch immer strenger. Bis vor ein paar Jahren hieß es, man sollte unter 10% der Gesamtenergie am Tag nur von Zucker aufnehmen, jetzt ist es unter 5%. Zuletzt ist der Stand durch die neue U.S. Leitlinie, dass wirklich gar kein freier Zucker irgendwelche Vorteile bringt und dieser Prozentsatz bei 0 sein sollte.

Unterscheidet der Körper zwischen flüssigem und festem Zucker? Unterschätzen viele gerade flüssigen Zucker?
Zucker in flüssiger Form wird sehr viel schneller aufgenommen. Unser Sättigungsgefühl über Flüssigkalorien ist sehr viel langsamer im Vergleich zu fester Nahrung. Deshalb ist es so gefährlich, gesüßte Getränke zu sich zu nehmen.

Zusätzlich gibt es auch Daten, dass dieser Flüssigzucker noch leichter in die Blutbahn gelingen kann, also schneller aufgenommen werden kann, und somit noch schneller zu Glukosespitzen führen kann. Bei festem Zucker muss die Nahrung erst mal aufgebrochen werden im Mund, im Magen, über die Magensäure, und wird dann über den Darm, über die Darmschleimhaut aufgenommen, bevor der Zucker in die Blutbahn gelangt. Das ist bei Flüssigzucker anders, der rauscht eigentlich direkt durch die Magen-Darm-Passage. Zusätzlich fällt einem im Alltag selbst gar nicht auf, wie viel Zucker man doch in Flüssigform zu sich nimmt, sei es morgens der Kaffee, der gesüßt ist, der Obstsaft to-go, mal ein Softdrink für die Kinder oder ein Kakao und später noch irgendwelche Fitnessgetränke. Gerade durch diese Unauffälligkeit sollte Flüssigzucker als unterschätzte Gefahrenquelle gesehen werden.

Welche Warnsignale für einen zu hohen Zuckerkonsum lassen sich schon früh erkennen und welche Folgen zeigen sich oft erst Jahre später?
Frühe Warnsignale sind Heißhungerattacken oder „Crashes“ am Mittag. Wenn man nach dem Mittagessen noch etwas Süßes isst, hat man oft danach ein richtiges Energietief. Nimmt der Körper viel Zucker auf, reagiert er mit einer starker Insulinausschüttung, da er mit einer noch größeren Zuckerquelle rechnet und so viel Insulin produziert, um das wieder abzubauen. Irgendwann fällt aber der Zufluss weg, das Hormon wird weiter produziert und dann fällt man in einen Unterzucker, Hypoglykämien.

Gerade wenn man keine Balance hat mit begleitenden Proteinen, Fetten oder Ballaststoffen, fällt der Sugar Peak noch mal stärker ins Gewicht. Zusätzlich wissen wir, dass Zucker  zu einer Dopaminfreisetzung im Gehirn führt, das heißt, es gibt auch einen gewissen Suchtfaktor. Wenn man an diesen Geschmack und die ständigen Sugar Highs gewohnt ist, nimmt man meistens Zucker aus Langeweile oder als Belohnung zu sich. Das Wichtige: Der Geschmack kann sich auch sehr schnell wieder verändern. Er kann sich innerhalb von ein paar Wochen wieder von Zucker Entwöhnen. Spätfolgen betreffen vor allem die angesprochene Insulinresistenz (Typ-2-Diabetes), und Probleme wie Fettleber, Bluthochdruck, erhöhte Blutfette. Das sind die Folgen über Jahre.

Viele greifen zu Light- oder Zero-Getränken: Wie bewertest du Süßstoffe? Sind sie wirklich so gut wie sie versprechen?
Light- und Zero-Getränke suggerieren eine gesunde Alternative. Wenn man sich die Kalorien anschaut, ist die Cola Light besser als die normale Cola. Gesundheitlich hat aber auch die Cola Light keinen Vorteil. Das heißt, man sollte einfach Wasser zu sich nehmen oder ungesüßte Tees und Kaffee.

Wie beeinflusst ein hoher Zuckerkonsum im Kindesalter das spätere Geschmacksempfinden?
Gerade für Kinder sind die ersten 1000 Tage sehr entscheidend für die Gesundheit, dies gilt ab Empfängnis, also ist es auch für Schwangere sehr relevant. Wir wissen, dass sich der Geschmack sehr schnell formt und festigt und frühe, regelmäßige Exposition natürliche Vorlieben und Routinen prägt und man in den ersten 3 Jahren möglichst auf freien Zucker absolut verzichten sollte.

Wie beeinflussen süße Getränke das Diabetesrisiko, und welche Rolle können geeignete Getränke gerade bei Kindern in Prävention und Alltag spielen?
Zum Thema süße Getränke, Diabetes und Kinder gibt es viele Daten, auch sogenannte Metaanalysen. Metaanalysen vergleichen immer die größten Studien in dem höchsten Studiendesign. Das sind Placebo-kontrollierte randomisierte Studien. Die Ergebnisse, die in Metaanalysen rauskommen, sind also wirklich auch für eine flächendeckende Population anwendbar. Diese zeigen klar, dass gerade die gezuckerten Getränke mit einem erhöhten Typ-2-Diabetes-Risiko assoziiert sind, weil eben so schnell so viele Kalorien zu sich genommen werden. Solche gezuckerten Getränke sind oft farbig, ziehen Kinder visuell an, sättigen nicht und sind deshalb wirklich gefährlich.. Viele „übertrinken“ sich damit regelrecht.

Ich empfehle allen, Kitas, Schulen, schwangeren Müttern, Eltern, Familiendaherimmer nur das zu Hause zu haben, was auch konsumiert werden soll/darf. Das ist Wasser für den Alltag, ungesüßte Tees und, wenn es um „Fun-Getränke“zur Abwechslung geht, ungesüßte Getränke.

Eltern wollen ihren Kindern nichts verbieten aber auch keine Zuckerbomben geben. Was müsste ein „Spaßgetränk für Kinder“ erfüllen, damit Genuss kein gesundheitlicher Kompromiss/Verzicht mehr ist?
Angefangen beim Packaging/Design, glaube ich, dass Kinder und Eltern von Farben angezogen sind. Besonders Dosen sind “fun“, sie machen einen Sound und sind gut in der Haptik. Dann sollte ein Spaßgetränk ohne schlechtes Gewissen konsumiert werden. Hier kommt es auf die Inhaltsstoffe an, kein freier Zucker und ein niedriger glykämischer Index. Es sollte auch ein Getränk sein, womit man sich gerne zeigt, was man gerne mitnimmt, und auch Eltern nicht diskutieren müssen: „Darfst du das jetzt haben, darfst du das nicht haben?“. Außerdem zählen eine transparente Zutatenliste, ohne große Claims, dazu. Man sollte kein Spezialwissen brauchen, um die Inhaltsstoffliste zu verstehen.

Wenn man Kindern solche Getränke früh gibt, wird ein nicht künstlich übersüßter Geschmack akzeptiert. Denn auch der Geschmack wird sich dahingehend ausprägen, dass man einfach diese Süße gar nicht vermisst, wenn man sie nicht kennt.

Warum braucht es deiner Meinung nach heute neue Konzepte wie raaaw und was macht es so einzigartig?
Es ist erfrischend, modern und richtig, sich bewusst von einer Welt abzugrenzen, in der 24 Stunden, 7 Tage die Woche immer Nahrungsaufnahme möglich ist und Süße wirklich überall ist. Wir möchten eine neue, aufgeklärte Kundschaft ansprechen, die bewusst hochwertige Produkte aus fairer Herstellung wählt und sich im Alltag von der üblichen „Süß-Norm“ abgrenzt. Menschen, die sich vom Design angesprochen fühlen und beim Kauf kein schlechtes Gewissen haben müssen, weder sich selbst noch ihrer Familie gegenüber. Es soll aber trotzdem Spaß machen und eine gesunde Alternative zu Wasser geben.

Ich glaube, Gesundheit beginnt im Kopf: mit der bewussten Entscheidung, mir etwas Gutes zu tun, und mich danach aber auch mit der Entscheidung wirklich wohlzufühlen. Kein schlechtes Gewissen nach dem Konsum.

Neugierig geworden? Dann unbedingt hier schauen und bestellen: raaaw.com

Beitragsbilder: raaaw

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