Braucht mein Kind eine Vitamin-D-Supplementierung?

4 Jan, 2023 | Experten, News

Das Gesundheitsthema Vitamin D ist in den letzten Jahren in aller Munde. Neben seiner Hauptaufgabe der Förderung der Knochengesundheit, wurden andere positive Wirkungen des Vitamin D postuliert: die Stärkung des Immunsystems, die Prävention chronischer Erkrankungen, wie auch Autoimmun- und Krebserkrankungen. Die Liste der vermuteten positiven Wirkungen des Vitamin D ist lang. Leider konnten diese nicht oder nicht zweifelsfrei oder nur im Tiermodell belegt werden. Wir haben dazu mit unserer Expertin Dr. Esther Renoirte gesprochen.

Die Eltern meiner kleinen Patient*innen stellen häufig die Frage, wie sie dafür sorgen können, dass ihr Kind ausreichend mit Vitamin D versorgt ist. Diese und weitere Fragen möchte ich anhand der Stellungnahme der Ernährungskommission der Deutschen Gesellschaft für Kinder-und Jugendmedizin (DGKJ e.V.) und der Deutschen Gesellschaft für Kinderendokrinologie und Diabetologie (DGKED e.V.) beantworten:

Was ist Vitamin D und wie wird es gebildet?  Was ist seine Hauptaufgabe? Was passiert bei einem Mangel, und wer sollte Vitamin D Supplemente einnehmen?
Vitamin D ist ein Steroidhormon, welches durch die Sonne (UV-B-Strahlung) in unserer Haut aus Cholesterin synthetisiert wird. Deswegen wird es auch „Sonnenvitamin“ genannt. In Leber und Nieren wird es in seine aktive Form umgewandelt. Die biologisch wirksame Form ist das Calcitriol. Vitamin D ermöglicht die Kalziumaufnahme über den Darm. Das Kalzium wird dann in unseren Knochen gespeichert und führt zur Mineralisierung und Stabilisierung unserer Knochen und ist unabdingbar für das Wachstum.
Der Bedarf an Vitamin D wird daran gemessen, wie hoch die Konzentration des Vitamin D im Blut sein muss, um ausreichend Kalzium über den Darm aufnehmen zu können.

Säuglinge benötigen dafür täglich 400-500 Einheiten Vitamin D. Dieser Bedarf wird durch die gängige Vitamin-D-Prophylaxe im Säuglingsalter (bis zum zweiten erlebten Frühling) abgedeckt. Erwachsene benötigen 600-800 Einheiten Vitamin D. Der Bedarf kann durch die Nahrung nur bis ca. 10% gedeckt werden (z.B. durch Seefische): wir benötigen also eine ausreichende Sonnenexposition.

In unseren Breitengraden ist zwischen den Monaten Oktober und März aufgrund des Einstrahlwinkels der Sonne keine Synthese des Vitamin D möglich. Nach den Empfehlungen der deutschen Gesellschaft für Kinder- und Jugendmedizin (DGKJ e.V.) sollte eine Sonnenexposition zwischen den Monaten April bis September 2x/Woche zwischen 10 und 15 Uhr für 5-30 min mit unbedecktem Kopf und freien Armen und Beinen ohne Sonnenblocker zu einer ausreichenden Produktion von Vitamin D führen.
Bei einem Vitamin D Mangel kommt es durch die verminderte Aufnahme des Kalziums aus dem Darm zu einem Kalziummangel. Kalzium wird dann vermehrt aus den Knochen freigesetzt. Gerade wenn wenig Kalzium über die Nahrung aufgenommen wird, kann sich bei Kindern eine Rachitis manifestieren. Rachitis ist eine Erkrankung des Kindesalters, da es die wachsenden Knochen betrifft und zu einer gestörten Mineralisierung der Knochen und Störung der Wachstumsfugen führen kann.  Bei Erwachsenen kann ein Kalziummangel zu einer Knochenerweichung, der sogenannten Osteomalazie führen.

Säuglinge, die ausschließlich mit Muttermilch ernährt werden und keine Vitamin D Prophylaxe erhalten, Kinder mit chronischen Erkrankungen, die Nahrungsbestandteile nicht aufnehmen können (z.B. Zöliakie, M.Crohn, zystische Fibrose), Kinder mit chronisch entzündlichen Erkrankungen, mit chronischen Leber- und Nierenerkrankungen sowie Kinder, die eine Dauermedikation erhalten, die den Vitamin-D- und Kalzium-Stoffwechsel beeinflussen, haben ein erhöhtes Risiko für eine Rachitis. Auch dauerhaft immobile Kinder mit sehr geringer Sonnenexposition sind davon betroffen.
Weitere Risikopersonen sind Menschen mit dunkler Haut- sie brauchen mehr Zeit in der Sonne, um Vitamin D zu synthetisieren. Personen, die ganztägig am ganzen Körper verhüllt sind, können kein Vitamin D bilden. Migrantenfamilien haben ein erhöhtes Risiko für durch Vitamin-D- und Kalzium-Mangel bedingte Erkrankungen durch ihre Bekleidung/Pigmentierung und/oder durch eine kalziumarme Ernährung.
Ein erhöhtes Risiko haben auch Kinder, die wenig körperlich aktiv sind und wenig Zeit im Freien verbringen.
Bei oben genannten Kindern mit Risikofaktoren empfiehlt es sich, im Herbst Vitamin D Konzentrationen im Blut zu bestimmen und entsprechend zu substituieren. Gesunde Kinder jenseits des zweiten Lebensjahres benötigen bei ausreichender Bewegung im Freien (s. Empfehlungen der DGKJ e.V.) und ausgewogener Ernährung keine ungezielten Bestimmungen des Vitamin D Spiegels und auch keine prophylaktischen Gaben.
Zwar wären bei einer Supplementierung ohne Mangel keine Nebenwirkungen zu erwarten, jedoch ist der Nutzen für die Kinder nicht belegt.
Ich hoffe, Sie und Ihre Kinder konnten in den letzten sonnenreichen Monaten genügend Vitamin D tanken und wünsche Ihnen eine schöne Winterzeit!

Ihre Kinder- und Jugendärztin Dr. med. Esther Renoirte

 

 

 

 

 

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